Kurz gesagt
Für alle Schutzgüter gilt derselbe Ablauf: mit der Voranalyse eingrenzen, wohin die Anlage reflektiert, Betrachtungspunkte mit dem passenden Werkzeug setzen, Höhe, Sichtfeld und Modultyp nach dem Leitfaden wählen und im Bericht die Filter je Gruppe setzen.
VI.5.1 Ablauf einer Bewertung
- Unterlagen sammeln. Lage und Ausrichtung der PV-Flächen, Datenblatt oder Messbericht des Moduls, Lage der schutzwürdigen Orte, für Verkehrswege die Achsen, für Flugplätze Anflugkarten und Schwellenhöhen.
- Reflexionsrichtungen eingrenzen. In der Voranalyse zeigen die Kegel, welche Gebäude, Straßen oder Flugwege in Reflexionsrichtung liegen (Kap. 11). Liegen Betrachter höher als die Anlage, etwa im Obergeschoss oder im Anflug, kann „Max“ des Winkelfilters erhöht werden.
- Betrachtungspunkte setzen mit dem Werkzeug, das zur Situation passt (VI.5.2).
- Höhe, Sichtfeld und Modultyp nach dem Leitfaden wählen (VI.5.3).
- Verdeckung erfassen, soweit sie belegt ist (VI.5.4).
- Simulieren und im Bericht die Filter je Gruppe nach der Bewertungsgrundlage setzen (VI.5.5).
- Ergebnisse prüfen (VI.5.6); die verwendeten Einstellungen weist der Bericht aus (VI.5.7).
VI.5.2 Werkzeuge für Betrachtungspunkte
| Situation | Werkzeug | Hinweis |
|---|---|---|
| Fenster, Balkon, Terrasse | „Einzelpunkte setzen“ | je schutzwürdigem Raum oder Außenbereich ein Punkt, je Geschoss eine Gruppe (Kap. VI.1) |
| unbebaute Baufläche | „Einzelpunkte setzen“ oder „Punkte entlang einer Linie“ entlang des Randes | am stärksten betroffenen Rand (Kap. VI.1) |
| Straße, Weg | „Punkte entlang einer Linie“ mit „Sichtfelder aktivieren und entlang der Linie ausrichten“ | je Fahrtrichtung eine Gruppe; Gegenrichtung als Kopie mit „um 180° drehen“ (Kap. VI.2) |
| Bahnstrecke | „Punkte entlang einer Linie“ wie bei Straßen | je Fahrtrichtung eine Gruppe; dichter vor Signalen und Eisenbahnkreuzungen (Kap. VI.3) |
| Anflug, Abflug, Platzrunde | „Flugroute“ (Pro) | Höhe linear zwischen Start- und Endpunkt (Kap. VI.4) |
| Rollweg | „Punkte entlang einer Linie“ | Augenhöhe im Cockpit über Grund (Kap. VI.4) |
| Kontrollturm | „Einzelpunkte setzen“ | Augenhöhe der Lotsen über Grund (Kap. VI.4) |
| Punkte aus GIS oder Google Earth | „Punkte aus KML importieren“ | ersetzt alle vorhandenen Punkte der Gruppe (Kap. 9) |
Gruppen sind die Einheit der Bewertung: Der Bericht filtert und wertet je Gruppe (Gruppe). Eine Gruppe enthält deshalb nur Punkte, die nach derselben Grundlage und mit denselben Annahmen bewertet werden, etwa ein Geschoss, eine Fahrtrichtung mit einer Fahrzeugart oder einen Anflugweg. Varianten derselben Punktreihe, etwa Pkw und Lkw, entstehen mit dem Knopf „Gruppe duplizieren“ auf der Gruppenkarte und einer anderen Höhe.
Punktabstand. Keine der ausgewerteten Quellen nennt einen Abstand. Er wird so gewählt, dass die Punkte den Verlauf der Reflexionen auflösen: dichter in Kurven, an Anschlussstellen und dort, wo die Voranalyse Reflexionen zeigt; weiter in Abschnitten ohne Reflexionsrichtung. „Punkte entlang einer Linie“ erlaubt 10 m bis 1.000 m.
Anzahl. Bis zu 30 Punkte im Tarif Free, 100 im Tarif Pro, über alle Gruppen des Projekts (Kap. 3). Punkte dürfen außerhalb des Projektbereichs liegen.
VI.5.3 Höhe, Sichtfeld und Modultyp je Schutzgut
Hinweis zur Anwendung. Die Tabelle fasst die Einstellungen aus VI.1 bis VI.4 zusammen. Sie sind denkbare Interpretationen und Anwendungsbeispiele der Leitfäden, keine verbindliche Umsetzung. Welcher Leitfaden gilt und wie er im Einzelfall korrekt ausgelegt und angewendet wird, ist vom Nutzer eigenständig zu prüfen.
| Schutzgut | „Höhe ü. GOK“ | Sichtfeld | Modultyp | Kapitel |
|---|---|---|---|---|
| Anwohner, LAI und OVE | Augenhöhe je Geschoss; unbebaute Fläche 2 m (LAI) bzw. mögliche Bauhöhe (OVE) | keins | „Perfekt verspiegelt“ | Kap. VI.1 |
| Anwohner, Swissolar | Augenhöhe je Geschoss | Fensternormale, H±, V-Boden, V-Oben je 70° (Näherung) | Dauer: „Perfekt verspiegelt“; Leuchtdichte: realer Modultyp | Kap. VI.1 |
| Straße | Pkw 1,0 m, Lkw 2,7 m | in Fahrtrichtung, H± 30° | realer Modultyp | Kap. VI.2 |
| Bahn | ca. 2,5 m über Schienenoberkante (grober Orientierungswert) | in Fahrtrichtung, H± 30° | realer Modultyp | Kap. VI.3 |
| Anflug | Flughöhe aus dem Gleitpfad | in Flugrichtung, Neigung = Gleitwinkel, H± 50° | realer Modultyp | Kap. VI.4 |
| Kontrollturm | Augenhöhe der Lotsen | keins (FAA) oder zur Piste (EASA) | realer Modultyp | Kap. VI.4 |
- GOK kommt aus den Höhendaten. Auf Brücken, Dämmen und Geschossdecken ist das der Boden darunter; dort kann „GOK automatisch berechnen“ ausgeschaltet und die Höhe von Hand eingetragen werden (Kap. 9).
- Sichtfelder schränken die Rechnung nicht ein: Die Simulation rechnet alle Reflexionen und vermerkt dabei je Reflexion, ob sie außerhalb des Sichtfelds liegt; der Bericht nimmt diese über den Filter „Außerhalb Sichtfeld“ aus (Kap. V.6). Weil der Vermerk mit dem Ergebnis gespeichert wird, wirkt ein geändertes Sichtfeld erst in einer neuen Simulation.
- Realer Modultyp heißt: das Reflexionsprofil aus dem Datenblatt oder Messbericht des Moduls, das im Projekt verbaut werden soll. Ein Eintrag im Modulkatalog wird nur verwendet, wenn er auf demselben Dokument beruht (Kap. 8). Fehlt ein Profil, bildet ein anderer Modultyp das Modul nicht ab.
VI.5.4 Verdeckung
- Gebäude, Wände, Wälle, Lärmschutzwände werden als Hindernisse erfasst (Kap. 10.1), mit Höhe aus Plänen, Vermessung oder amtlichen Gebäudemodellen.
- Gelände zwischen Anlage und Betrachter und um die Anlage erfasst die Geländeverdeckung aus einem Geländemodell (Kap. 6): Es verdeckt Reflexionen und verschattet die PV-Flächen. Ferne Berge erfasst die Fernverschattung (Kap. 10.2).
- Bewuchs ist veränderlich. Das Eckpunktepapier erkennt Straßenbegleitgrün nicht als Sichtschutz an (Kap. VI.2). Wird Bewuchs als Hindernis erfasst, wirkt er ganzjährig gleich (Kap. VII).
- Die Wirkung einer Verdeckung lässt sich als Variante neben einer Rechnung ohne Verdeckung zeigen (Kap. 13).
VI.5.5 Mögliche Filterkombinationen
Je Leitfaden zeigen die Abschnitte VI.1 bis VI.4 eine mögliche Filterkombination; die Tabelle verweist darauf. Weitere Filter können im Ermessen des Nutzers ergänzt werden, wenn sie fachlich begründet sind. Die Simulation speichert alle geometrisch möglichen Reflexionen; die Filter legen fest, was als Blendung zählt (Kap. 14, Kap. V.8). Sie werden je Gruppe gesetzt und wirken sofort, ohne neue Simulation.
| Bewertungsgrundlage | Filtertabelle |
|---|---|
| LAI, OVE R 11-3, Swissolar | Kap. VI.1, Abschnitt VI.1.6.2 |
| Eckpunktepapier FBA, OVE, RVS | Kap. VI.2, Abschnitt VI.2.6.2 |
| Bahn (Eckpunktepapier sinngemäß) | Kap. VI.3, Abschnitt VI.3.5.2 |
| EASA, FAA | Kap. VI.4, Abschnitt VI.4.6.7 |
- Ein neuer Bericht ist schon gefiltert, unter anderem mit „Leuchtdichte ≥ 30.000 cd/m²“. In den möglichen Kombinationen für LAI, OVE und die FAA ist dieser Filter aus, für EASA steht er auf 20.000 cd/m².
- „Als Preset speichern“ hält eine Einstellung für alle eigenen Berichte fest, etwa je Leitfaden ein Preset. „Zusätzlich anwenden auf:“ im Dialog überträgt sie auf weitere Gruppen.
- Die Filterkarte am Anfang jeder Gruppe dokumentiert die Einstellung im PDF.
VI.5.6 Ergebnisse prüfen
- „—“ und „0“ unterscheiden: „—“ heißt, am Punkt trat keine Reflexion auf; „0“ heißt, Reflexionen traten auf, wurden aber weggefiltert. Welcher Filter gegriffen hat, zeigt sich, wenn die Filter einzeln ab- und wieder zugeschaltet werden.
- Richtungen gegenprüfen: Die „Reflexionskarte (Draufsicht)“ muss zu den Kegeln der Voranalyse passen; die „3D-Perspektive“ zeigt, wo im Blickfeld die Blendquelle liegt und wie nah an der Sonne.
- Uhrzeiten gegenprüfen: Blendung am Abend kommt von Flächen, die das tief im Westen stehende Sonnenlicht zum Betrachter lenken, Blendung am Morgen entsprechend aus dem Osten. Alle Zeiten sind Normalzeit ohne Sommerzeit.
- Varianten vergleichen: Andere Ausrichtung, anderer Modultyp oder Sichtschutz lassen sich als Batch-Analyse oder im Versionsvergleich gegenüberstellen (Kap. 13).
- Höchstwerte: Alle Werte gelten für wolkenlosen Himmel an jedem Tag (Kap. VII).
VI.5.7 Einstellungen im Bericht
Der Bericht weist die verwendeten Einstellungen selbst aus (Kap. 14):
- die Filter je Gruppe als Filterkarten unter „Auswertungsmethodik“,
- je Betrachtungspunkt Position, Geländehöhe, Beobachterhöhe und gegebenenfalls das Sichtfeld im Kapitel „Betrachtungspunkte“,
- im Anhang Geodaten, Modultypen mit Kennlinien, Höhendatenquellen, Simulationsparameter, Annahmen und Glossar,
- Version und Rechenstand auf dem Deckblatt.
Varianten, etwa mit anderem Modultyp oder mit und ohne Verdeckung, entstehen als eigene Versionen mit eigenem Bericht (Kap. 13).